Ja zur Professur "Ethik in der Politik" - Nein zur Verklärung Stauffenbergs
Freitag 17. Juli 2009 von Redaktion

Dem SDS geht es nicht darum, den Widerstand Stauffenbergs gering zu schätzen oder ihm die Legitimation abzusprechen. Im Gegenteil: Unbestritten war Stauffenberg ein mutiger Widerstandskämpfer. Unter Einsatz seines Lebens versuchte er die Diktatur Hitlers, und damit den Holocaust sowie den Krieg, zu beenden. Dafür gebührt ihm natürlich und unzweifelhaft großer Respekt und Anerkennung. Jeglicher Widerstand gegen das Regime der Nationalsozialisten war gut und richtig. Wir halten es allerdings für unangebracht, Stauffenberg zu einem unantastbaren Mythos zu verklären. Wer eine Professur "Ethik in der Politik" nach Stauffenberg benennt erweckt, ob gewollt oder ungewollt, den Eindruck, Stauffenberg wäre in ethischer Hinsicht ein Vorbild.
Stauffenberg handelte sicherlich, zumindest zu einem gewissen Teil, idealistisch. Die Ideale sind und waren aber alles andere als vorbildlich. Er lehnte die Demokratie entschieden ab. Im zeitlichen Kontext keine Ausnahme, aber eben sicherlich nicht vorbildlich. Stauffenberg vertrat antisemitische, rassistische und generell menschenverachtende Positionen. Seiner Frau Nina schrieb er ´39 aus Polen: „Die Bevölkerung ist ein unglaublicher Pöbel, sehr viele Juden und sehr viel Mischvolk. Ein Volk, welches sich nur unter der Knute wohlfühlt. Die Tausenden von Gefangenen werden unserer Landwirtschaft recht gut tun. In Deutschland sind sie sicher gut zu gebrauchen, arbeitsam, willig und genügsam.“ Auch in dem von ihm mitformulierten Eid des militärischen Widerstandes kann man eine eindeutig völkische sowie elitäre Einstellung kennen.
Von den Befürwortern einer Benennung nach Stauffenberg wird angeführt, der Name Stauffenberg stehe für den Wandel einer Person. Er war nicht von vornherein gegen die Nationalsozialisten, sondern entwickelte sich zum Gegner Hitlers. Er hatte keine weiße Weste, wollte aber die Hitlers Diktatur beenden. Er war Antisemit, stand aber nicht hinter der Judenvernichtung. Genau diese Widersprüchlichkeit würde ihn als Namensgeber prädestinieren. Aber selbst wenn man annimmt, Stauffenberg hätte aus rein ethischen Motiven Widerstand geleistet, deutet nichts darauf hin, seine ethische Einstellung hätte sich gewandelt. Er blieb rassistisch, antisemitisch und undemokratisch. Geändert hat sich, eventuell aufgrund ethischer Bedenken und neuer Erkenntnisse, sein Handeln. Dies war gut und richtig, hat aber mit einem ethischen Diskurs, mit einem Wandel der persönlichen Ethik, nichts zu tun. Und, wie schon erwähnt: Auch wenn es nicht die Intention sein sollte, Stauffenberg als Namensgeber für eine Professur "Ethik in der Politik" zu wählen, würde dazu beitragen, einen Rassist und Antidemokrat zum Maßstab für politische Ethik zu verklären.
Der SDS plädiert dafür, die Professur keiner bestimmten Person oder Widerstandsgruppe zu widmen, sondern dem antifaschistischen Widerstand insgesamt. Dies wäre auch im Sinne seiner Ehefrau Nina, welche 1977 aus Anlaß des 30-jährigen Bestehens der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes in Bamberg an diese folgende Zeilen schrieb: "Der Widerstand gegen das Hitlerregime ging quer durch alle Klassen, Stände und Parteien. Einigen von Ihnen wurde der Widerstand auf Grund ihrer Parteizugehörigkeit aufgezwungen, oder weil sie dem Regimeinteresse im Wege waren. Die Juden wurden, unabhängig von ihrer individuellen Gesinnung, wegen ihrer Rasse verfolgt. Der Bamberger Willy Lessing hatte aktiv versucht, die Synagoge zu verteidigen und wurde zu Tode getrampelt. Wieder andere gingen in den Widerstand aus Gewissensgründen und Überzeugung, obwohl sie es `nicht nötig gehabt hätten´. Alle einte damals ein gemeinsames Ziel, für das sie kämpften und starben. Wir tun heute diesen Opfern keinen Gefallen, wir setzen ihren Einsatz herab, wenn wir versuchen, das Gewicht der verschiedenen Gruppen gegeneinander abzuwägen, bzw. das eigene herauszustreichen. Zum Ziel ist keine gekommen….".